Im " Hanauer Bote" lesen wir am 11.06.2015:

 

Auch ohne Augenlicht voll im Leben
Blinden- und Sehbehindertenbund feiert Jubiläum

Hanau (ulr). Wenn das eigene Sehvermögen nachlässt oder gar eine völlige Erblindung droht, bedeutet das für die meisten Betroffenen zunächst einmal vor allem eines: Verzweiflung. Wie soll ich mich zurechtfinden? Wie soll der Alltag weitergehen? Unterstützung in dieser schwierigen Situation gibt es in der Beratung des Blinden Blinden- und Sehbehindertenbunds Hessen (BSBH), dessen Hanauer Bezirksgruppe seit nunmehr 90 Jahren existiert. Dieses Jubiläum wurde am vergangenen Samstag gebührend gefeiert.

Silvia Schäfer am Rednerpult

Silvia Schäfer, die Vorsitzende des Hanauer Blinden- und Sehbehindertenbunds. (Foto: Ulrich)

Silvia Schäfer, Leiterin der Hanauer Bezirksgruppe, begrüßte die Gäste im vollbesetzten Saal in der Martin-Luther-Anlage in Hanau. Josef Ender, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit beim BSBH in Hanau, gab im Anschluss einen kurzen Abriss über die Entwicklung der Wahrnehmung blinder Menschen – die eigene, aber auch die durch die Gesellschaft. Viele Jahrhunderte habe man nichts anderes mit Blinden anzufangen gewusst, als sie bettelnd auf der Straße sitzen zu lassen, im Dritten Reich seien blinden Menschen gar die Hoden abgeschnitten oder sie einfach umgebracht worden, so Enders. Gerade die technischen Entwicklungen der letzten 100 Jahre hätten dann viel verändert, allen voran die Erfindung der Blindenschrift, mit deren Hilfe es möglich wurde, dass Blinde und Sehbehinderte mehr und mehr an Bildung teilhaben konnten. Nicht weniger bedeutsam das Telefon, das blinden Menschen neue Kommunikationswege eröffnete, obwohl bei dessen Erfindung niemand daran gedacht hatte, welche Barrieren gerade von nicht Sehenden damit überwunden werden konnten. Letzteres ermögliche auch eine dritte große Erfindung, das Internet. Denn Blinde haben, kaum vorstellbar für Menschen mit einem gesunden Augenlicht, vollen Zugang zum world wide web. Da gibt es spezielle Software, mittels derer beispielsweise Zeitungsartikel vorgelesen werden, spezielle Eingabegeräte und andere Hilfsmittel.
Dadurch sei es heutzutage sogar möglich, dass Blinde und Sehbehinderte studierten, so Josef Ender, der selbst einen Abschluss in Englisch und Russisch hat. Seine Vereinskollegin Silvia Schäfer ist ausgebildete Physiotherapeutin. Es gibt also keinerlei Grund, das Potenzial Blinder und Sehbehinderter nicht zu nutzen und sie in die Gesellschaft zu integrieren – allerdings hapere es nach wie vor an dem hierfür notwendigen Umdenken, wissen beide. Hier sei die Politik in Hanau und Umgebung parteiübergreifend oft weiter als die Bevölkerung insgesamt, so Oberbürgermeister Claus Kaminsky, der ebenfalls zu den Gästen der Jubiläumsfeier gehörte. Er lobte die gute Kommunikation zwischen der Hanauer Bezirksgruppe und der Politik. Hanau sei mit seinem Angebot im Haus am Steinheimer Tor vorbildlich.
Hier bietet der Blinden- und Sehbehindertenbund täglich Beratung für Menschen an, die von Sehbehinderung betroffen sind. „Insbesondere Personen, die gerade eine entsprechende Diagnose erhalten haben, sollten sich nicht scheuen, das Beratungsangebot wahrzunehmen“, sagt Silvia Schäfer. Dass viele versuchten, ihre beginnende Behinderung zu verbergen, mache die Sache nur schwerer. In der Beratung würden Betroffene im Umgang mit entsprechenden Hilfsmitteln geschult und ihnen vor allem Mut gemacht, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, erklärte Schäfer. „So ist es nicht nur möglich, durch Umschulungen weiterhin seinen Lebensunterhalt zu verdienen, sondern auch den eigenen Haushalt nach wie vor selbst zu organisieren – und vor allem am Leben teilzunehmen“, so Schäfer.
Die Beratungsstelle „Blickpunkt Auge“ in der Steinheimer Straße 1 ist unter Telefon 06181/956663, per Mail an info@tibsev.de oder über die Homepage www.tibsev.de zu erreichen.

 

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