Viele hatten den richtigen „Durchblick“

Blinden- und Sehbehindertenbund zieht beim Sommerfest positive Hessentagsbilanz

am Grill in der "Alten May" von links: Josef, Achim, Silvia, Brigitte, Klaus Meyer, Frau Stockmann, Gabi, Andreas

Hanau (mafi/ds). Das Dunkelkaufhaus in Wetzlar ist kein gewöhnliches Kaufhaus. Es bildet als Optikparcours einen wichtigen Teil eines Wissenschaftsprojekts, der Kunden mit optischen Installationen in der ganzen Stadt vertraut macht. Einige werden dieses Kaufhaus jetzt ganz nah kennen lernen, denn sie haben beim Blinden- und Sehbehindertenbund auf dem Hessentag einen Besuch gewonnen. Auf einem Hessentag, der für den Verband ein voller Erfolg war, wie am Wochenende auf dem Sommerfest der Hanauer Bezirksgruppe festgestellt wurde.
„Eine Führung schien uns der idealer Preis für die Gewinner unseres Hessentags-Preisausschreibens“, sagt dazu Josef Ender, Pressesprecher der Hanauer Bezirksgruppe des Blinden- und Sehbehindertenbunds. Die Gruppe versteht sich als Ansprechpartner für Sehbehinderte und Blinde im Main-Kinzig-Kreis und Hanau. „Wer sein Augenlicht verliert oder verloren hat, findet bei uns Rat“, so Ender, „auch wenn viele Betroffene zuerst allen Mut verlieren geht das Leben weiter. Wir helfen, den Weg zu finden.“ Derzeit zählt er etwa 150 Mitglieder, davon zwei Drittel Betroffene, der Rest Förderer. „Unser Kreis vergrößert sich nur langsam“, sagt Ender. Erstens sei da die generelle Scheu Nicht-Behinderter gegenüber Behinderten, weiß er, „zweitens wollen viele Betroffene ihre Einschränkung nicht wahr haben und deshalb erst recht nicht mit Leidensgenossen in Berührung kommen.“
Der Verein hat sich der Aufklärung verschrieben. Unter dem Dach der hessischen Dachorganisation waren die Hanauer um ihren Vorsitzenden Achim Becker deshalb auch auf dem Hessentag in Langenselbold aktiv – mit gutem Zuspruch. Über 1000 Besucher beteiligten sich dort am Preisausschreiben, bei dem es das Wort „Durchblick“ aus Brailleschrift zu übersetzen galt. „Als Hilfestellung bekamen die Gäste unseres Standes kleine Alphabettafeln an die Hand“, berichtet der Vorstand, der jetzt bei seinem Sommerfest die Gutscheine ausloste. Die Sieger des Preisausschreibens, die aus verschiedenen Regionen Hessens stammen und direkt informiert werden, erwartet eine besondere Erfahrung: Eine Stunde lang dürfen sie das Leben im Dunkeln testen, werden dabei von einer blinden Begleitperson begleitet und geleitet. Geruchssinn und Tastgefühl werden getestet, anhand von Kinderspielzeug muss der Gast später seine Geschicklichkeit unter Beweis zu stellen. Der Optikparcours nimmt das Alleinstellungsmerkmal Wetzlars, die Kompetenz in Optik und Feinmechanik, auf. Das Projekt wurde von Bürgern geplant und realisiert.
„Als Blinder kann man prachtvoll leben, wenn die Infrastruktur stimmt“, ist Ender überzeugt. In Hanau sei man sehr zufrieden. „Wir stehen in gutem Kontakt mit dem Rathaus“, betont der Pressesprecher, „wenn wir beispielsweise eine Ampel mit Summton brauchen, bekommen wir diese innerhalb weniger Wochen, wogegen in anderen Kommunen Wartezeiten bis zu fünf Jahren verzeichnet wurden.“ Mehr Verständnis erhoffen sich die Betroffenen dagegen von den Geschäftstreibenden in der Innenstadt. „Leider verzichten viele nicht auf die Klappschilder vor der Tür, die für uns große Hindernisse darstellen“, erzählt Ender, „ich bezweifele, dass ihr Effekt groß genug ist, um rechtfertigen zu können, andere zu behindern.“
Die Bezirksgruppe leistet nicht nur konkret Hilfe, sondern organisiert darüber hinaus Ausflüge oder Behindertensport. An jedem letzten Freitag des Monats findet um 18 Uhr ein Stammtisch im Gasthaus „Zum Bürgerbräu“ in der Hanauer Friedrichstraße statt, zu dem Betroffene und Förderer gleichermaßen begrüßt werden. Alle aktuellen Termine sind auf der Homepage des Vereins im Internet abzurufen. Das Büro der Bezirksgruppe ist montags bis freitags jeweils zwischen 10 und 16 Uhr unter den Telefonnummer 0 61 81/95 66 63 und 95 66 64 zu erreichen. - www.tibsev.de

 

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